Marantec CS 320: Tor läuft zu langsam
Kurzdiagnose: Bei Marantec CS 320 mit Fehlerbild Tor läuft zu langsam zuerst Versorgung, Freigabekette, passenden Eingang und Sicherheitselemente messen. Keine Teile auf Verdacht tauschen: erst Eingang, dann Ausgang, dann Last prüfen.
Fehlerbild
Erste Entscheidung: Kommt der Befehl an der Steuerung an? Wenn nein: Taster, Funk, externe Freigabe und Leitung prüfen. Wenn ja: Sicherheitskreis, Endlagen, Ausgang und Last prüfen.
Wahrscheinlichste Ursachen – nach Trefferquote sortiert
| Reihenfolge | Ursache | Schnelltest |
|---|---|---|
| 1 | Tor mechanisch schwergängig | Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren. |
| 2 | FU-Rampe/Geschwindigkeit falsch parametriert | Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren. |
| 3 | Unterspannung oder Phasenausfall | Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren. |
| 4 | Bremse schleift | Mechanik entriegeln, Bremse prüfen, Motorstrom messen. |
| 5 | Motor/Kondensator verliert Leistung | Mechanik entriegeln, Bremse prüfen, Motorstrom messen. |
Sofortprüfung am Schaltschrank
Diese Prüfungen bringen den Fehler meistens schneller ans Licht als ein kompletter Steuerungstausch.
| Nr. | Wo prüfen? | Wie prüfen? | Sollwert / Erwartung |
|---|---|---|---|
| 1 | Direkt an Steuerung und Bauteil | Laufzeit messen und mit Normalwert/Parameter vergleichen. Soll: innerhalb Anlagenvorgabe. | Zustand eindeutig, reproduzierbar und passend zum Schaltplan |
| 2 | Direkt an Steuerung und Bauteil | Mechanik entriegeln und Leichtlauf prüfen. Soll: ohne harte Punkte. | Zustand eindeutig, reproduzierbar und passend zum Schaltplan |
| 3 | Direkt an Steuerung und Bauteil | Versorgung unter Last messen. Soll: 230/400 V stabil. | ca. 400 V AC zwischen allen Phasen |
| 4 | Direkt an Steuerung und Bauteil | Bei FU: Frequenzsollwert und Rampen prüfen. Soll: keine reduzierte Service-/Langsamfahrt aktiv. | Zustand eindeutig, reproduzierbar und passend zum Schaltplan |
| 5 | Bremse/Bremsgleichrichter am Antrieb | Bremse auf Schleifen prüfen. Soll: Rad/Antrieb läuft frei. | Bremse löst hörbar und vollständig |
| 6 | Motoranschluss / Schütz / FU-Ausgang | Motorstrom prüfen. Soll: plausibel, kein dauerhafter Überstrom. | unter Nennstrom laut Typenschild, kein starker Sprung |
Messwerte, LED-Zustände und Eingänge
| Messpunkt | Bewertung |
|---|---|
| Laufzeit in Sekunden | Messwert mit Typenschild und Schaltplan vergleichen; Abweichung gezielt eingrenzen. |
| 230/400 V unter Last | Fehlt eine Phase oder L/N, liegt der Fehler vor der Steuerlogik: Einspeisung, Hauptschalter, Sicherung, Motorschutz. |
| Motorstrom | Zu hoch: Mechanik/Bremse/Motor prüfen. Zu niedrig trotz Befehl: Ausgang/Schütz/Freigabe prüfen. |
| FU-Ausgangsfrequenz Hz | Messwert mit Typenschild und Schaltplan vergleichen; Abweichung gezielt eingrenzen. |
| Bremsspannung/Bremsspiel | Messwert mit Typenschild und Schaltplan vergleichen; Abweichung gezielt eingrenzen. |
Wichtig: Spannung immer unter Last prüfen. 24 V im Leerlauf können gut aussehen und beim Start trotzdem zusammenbrechen.
Herstellerbezogene Prüfung: Marantec CS 320
Bei CS300/CS310/CS320 zuerst X3 für Befehle und X4 für Sicherheit trennen in der Diagnose denken: Kommt der Befehl nicht an, ist X3 verdächtig; wird die Fahrt blockiert, ist meist X4, SKS, Lichtschranke oder STOP-Kreis der richtige Einstieg.
Relevante Klemmen und Baugruppen
| Klemme / Baugruppe | Warum hier prüfen? |
|---|---|
| X1 = Netzversorgung. Hier zuerst L/N oder L1/L2/L3 prüfen. | Ohne stabile Einspeisung sind alle Folgemessungen wertlos. |
| X2 = Motoranschluss. Drehrichtung, Bremse und Motorkabel prüfen. | Hier prüfen, ob Ausgang, Motor und Bremse elektrisch versorgt werden. |
| X3 = Befehlsgeräte. AUF, ZU, Impuls und STOP hier am Eingang prüfen. | Hier sieht man, ob der Befehl wirklich ankommt. |
| X4 = Sicherheitselemente. SKS, Lichtschranke, Not-Halt/Schlupftür je nach Ausführung prüfen. | Hier sperren Lichtschranke, SKS und Sicherheitskontakte die Fahrt. |
| X5 = Relaisausgänge. Nur prüfen, wenn Ampel, Vorwarnung oder Verriegelung ausfällt. | Relevant für Ampel, Vorwarnung, Verriegelung und externe Freigaben. |
| X8 = LCD-Monitor. Vor Reset Fehleranzeige speichern. | Bauteil kann den Freigabe- oder Sicherheitskreis beeinflussen. |
| X11 = elektronisches Endlagensystem/AWG, falls verbaut. | Ohne stabile Einspeisung sind alle Folgemessungen wertlos. |
Fehlercodes, LED-Zustände oder Meldungen
| Meldung / Zustand | Nächster Schritt |
|---|---|
| LCD-Meldung STOP/Sicherheitskreis: X3/X4, Not-Halt, Schlupftür und Spiralleitung prüfen. | Ruhestromkreis, Not-Halt, Schlupftür, Seilschlaff und Wartungsschalter prüfen. |
| LCD-Meldung SKS/SE: Schließkante, 8k2-Widerstand oder Optosensor an X4 prüfen. | Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen. |
| LCD-Meldung LS/PHOTO: Lichtschranke reinigen, ausrichten und Eingang prüfen. | Lichtschranke reinigen, ausrichten, Versorgung und Kontakt prüfen. |
| LCD-Meldung AWG/Endlage: Geberleitung, Steckverbindung und Endlagen neu einlernen. | Geber, Endschalter, Steckverbindung und Lernfahrt prüfen. |
| Laufzeit-/Kraftfehler: Tor mechanisch prüfen, Laufzeitparameter und Motorstrom vergleichen. | Mechanik, Laufzeitparameter, Motorstrom und Endlagen prüfen. |
Parameter, die zum Fehlerbild passen
| Parameter / Funktion | Prüfung |
|---|---|
| Betriebsart: Automatik oder Totmann | Falsch eingestellt führt zu Totmannbetrieb oder fehlendem Impulsbetrieb. |
| Eingang AUF/ZU/Impuls an X3 | Parameter mit Ist-Zustand vergleichen und Änderung dokumentieren. |
| SKS-Art: 8k2, optisch oder pneumatisch | Falsch parametriert blockiert ZU oder Automatik. |
| Lichtschrankenfunktion | Falsch parametriert blockiert ZU oder Automatik. |
| Endlagen/AWG | Falsch gelernt verhindert Endlagenmeldung und Referenzfahrt. |
| Laufzeitüberwachung | Zu knapp eingestellt führt zu Start/Stopp, Reversieren oder Thermofehler. |
| FU-Betrieb bei CS320 FU | Falsche Rampen oder Geschwindigkeit erzeugen langsamen/unruhigen Lauf. |
Bekannte Schwachstellen aus der Praxis
| Schwachstelle | Praktische Prüfung |
|---|---|
| defekter Schlupftürkontakt im STOP-Kreis | Kontakt mechanisch drücken, elektrisch messen und während Bewegung beobachten. |
| Aderbruch in der Spiralleitung zur Schließkante | Adern einzeln messen und Leitung bewegen; Wert darf nicht springen. |
| 8k2-Abschlusswiderstand außerhalb Toleranz | Sichtprüfung reicht nicht: messen, bewegen, erneut messen. |
| lockerer X4-Stecker | Sichtprüfung reicht nicht: messen, bewegen, erneut messen. |
| AWG-Stecker mit Kontaktproblem | Sichtprüfung reicht nicht: messen, bewegen, erneut messen. |
Typische Fehlerursache aus der Praxis
Nach Steuerungstausch bleibt oft eine reduzierte Geschwindigkeit oder lange Rampe aktiv. Bei älteren Toren ist aber genauso oft die Mechanik der Bremser.
Bei Marantec CS 320 besonders beachten: X3 für Befehle und X4 für Sicherheit sauber trennen. So verliert man keine Zeit an der falschen Seite der Steuerung.
Schritt-für-Schritt-Reparatur
- Anlage sichern: Bereich absperren, Fahrweg freimachen, Hauptschalter ausschalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Arbeiten an 230/400 V, Bremsen, FU, Hauptschütz oder Motoranschluss nur durch Elektrofachkraft. Vor jeder Widerstands- oder Durchgangsmessung Anlage allpolig spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern.
- Bauteil eingrenzen: Für dieses Fehlerbild zuerst Mechanik, Versorgung, FU-Parameter oder Antriebskraft begrenzen die Geschwindigkeit prüfen, dann erst Motor oder Steuerung verdächtigen.
- Bremse / Kondensator / FU-Parameterdatensatz lokalisieren: Klemme, Leitung und Bauteil anhand der Beschriftung und des Schaltplans markieren. Vor dem Abziehen Fotos machen.
- Messung durchführen: Versorgung, Eingang, Kontakt/Widerstand und LED-Zustand messen. Ergebnis notieren; kein Teil tauschen, nur weil es „verdächtig aussieht“.
- Bauteil tauschen oder instand setzen: Bremse / Kondensator / FU-Parameterdatensatz nur gegen passenden Typ nach Typenschild/Schaltplan ersetzen. Klemmen festziehen, Zugentlastung setzen, Leitung gegen Scheuern sichern.
- Funktionstest: Einzelfunktion am Eingang prüfen, dann komplette AUF- und ZU-Fahrt durchführen. Fehlerhistorie erneut kontrollieren.
- Sicherheitsprüfung: Not-Halt, Lichtschranke, Schließkante/SKS, Schlupftür und Endlagen aktiv testen. Bei Automatiklauf Reversierung und Vorwarnung dokumentieren.
Ersatzteilhinweis
Typisches Ersatzteil: Bremse / Kondensator / FU-Parameterdatensatz
Funktion: Geschwindigkeit hängt von freier Mechanik, korrekter Versorgung und sauberer Parametrierung ab.
Austausch: Anlage spannungsfrei schalten, Klemmenbelegung fotografieren, Adern beschriften, Bauteil ersetzen, Klemmen nachziehen, Zugentlastung prüfen und danach Messwert/Funktion erneut dokumentieren.
Weitere Teile, die man bei dieser Anlage im Blick haben sollte:
- CS320/CS300/CS310 Steuerungsplatine bzw. Ersatzsteuerung
- LCD-Monitor/Programmiergerät
- AWG-Drehgeber oder Endschalterleitung
- Schließkantenauswertung 8k2/Opto
- Schlupftürkontakt
- 24-V-Netzteil/Sicherung
Praxisfall
| Punkt | Beschreibung |
|---|---|
| Fehlerbild | Tor fährt sauber, aber doppelt so lange wie vorher. |
| Diagnose | Mechanik leichtgängig, FU zeigte reduzierte Sollfrequenz. |
| Ursache | Parameter für Wartungs-/Langsamfahrt blieb aktiv. |
| Lösung | Parameter korrigiert, Laufzeit gemessen, Sicherheitsfunktionen getestet. |
| Zeitaufwand | 35 Minuten |
Abschlussprüfung nach der Reparatur
- Mindestens drei komplette Fahrzyklen AUF/ZU ohne Fehlermeldung durchführen.
- Not-Halt betätigen: Anlage muss sofort stoppen und darf erst nach Entriegelung wieder freigeben.
- Lichtschranke während ZU-Fahrt unterbrechen: Schließfahrt muss stoppen oder reversieren, je nach Anlage.
- Schließkante/SKS mit geeignetem Prüfkörper testen: Reaktion und Reversierweg prüfen.
- Endlagen AUF/ZU prüfen: Anzeige, Verriegelung, Ampel/Freigabe müssen korrekt umschalten.
- Messwerte, getauschtes Ersatzteil und Fehlercode im Wartungsprotokoll dokumentieren.
Hinweis: Klemmenbezeichnungen können je nach Baujahr, Optionsplatine und Ausführung abweichen. Maßgeblich bleibt immer der Schaltplan der konkreten Anlage.






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